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  • Das Rotkehlchen - Erithacus rubecula

    Liebling der Nation

    Eine Umfrage in der Bundesrepublik hat ergeben, dass das Rotkehlchen der beliebteste heimische Vogel ist. Wer mit dieser Spezies näheren Kontakt hatte, den wundert es nicht.

    Die grazilen Bewegungen dieses kleinen Federknäuels, die wunderschönen großen braunen Augen, all dies spricht unsere Gefühle an. Mit dem rostroten Brüstchen, welches ihm den Namen gegeben hat, signalisiert er herausfordernd seinen Rivalen.

    Die Oberseite zeigt ein sattes Olivbraun, wogegen die Unterseite fast weißlich ist.

     

    Rotkehlchen - Oskar Klose

    Dazu kommt die überaus geringe Fluchtdistanz zum Menschen, deren Ursache aber die Erwartung von Futter ist.

    So wie große Tiere des Waldes beim Umherstreifen Kerbtiere, eine bevorzugte Nahrung des Rotkehlchens, aufscheuchen bzw. abstreifen, so geschieht das auch durch Menschen, wenn sie sich im Garten oder Wald bewegen. Im Winter lassen sich diese kleinen Vögel sogar mit Mehlwürmern, eine Delikatesse für sie, auf die Hand locken. Diese große Vertraulichkeit und die lieblichen Proportionen hat Erithacus rubecula, so sein wissenschaftlicher Name, wohl so volkstümlich gemacht.

    Seine großen Augen weisen schon auf seinen Lebensraum hin, das dämmerlichtige Unterholz im Wald oder in Parkanlagen.

    Birkenwälder werden besonders bevorzugt, denn diese Baumart beherbergt eine besonders große Zahl von Gliederfüßlern, wo hingegen Kiefernwälder weniger stark besiedelt werden.

    In Kulturlebensräumen nimmt es gerne die naturnah gestalteten Parkanlagen und Gärten an.

    Liegenbleibendes Laub sowie dichtes Unterholz sind unverzichtbare Kriterien für diese als Einzelgänger lebende Vogelart.

     

    Liebenswerter Rabauke

    Sein Revierverhalten ist überaus stark ausgeprägt. Dieser sonst so liebenswürdige kleine „Federball“ kann äußerst ungehalten gegenüber seinen Artgenossen werden, die in sein Revier eindringen.

    Bemerkt ein Revierbesitzer ein anderes Rotkehlchen in seinem Gebiet, so sucht er dieses durch seinen Gesang zu vertreiben. Manchmal sind mit diesen Lautäußerungen auch Scheinangriffe verbunden. Sollte der Störenfried jetzt noch nicht das Weite suchen, kommt es zur sogenannten Zur-Schau-Stellung. Hierbei zeigt der Reviereigentümer in imponierender Haltung dem Grenzverletzer seine rostrote Brust.

    Die vierte Phase, das offene Gefecht, kommt nicht allzu häufig vor, wird dann aber mit aller Heftigkeit und Nachdruck ausgeführt.

    Der Auslöser ist hierbei wieder der rote Brustlatz. Dieses haben Versuche mit ausgestopften Rotkehlchen erwiesen.

    Wurde dieser rote Latz abgedeckt, unterblieben alle Angriffe. Diese erbitterten Auseinandersetzungen können manchmal zu größeren Verletzungen führen, die sogar den Tod eines Kontrahenten zur Folge haben können.

     

    Der träumerisch-stimmungsvolle, perlende Gesang des Rotkehlchenmännchens, der meistens morgens und abends vorgetragen wird, hat aber auch die Aufgabe, ein Weibchen in sein Revier zu lotsen. Aber auch dieses wird im Anfang wie ein Eindringling empfangen. Das Weibchen reagiert aber nicht wie ein Rivale, sondern nähert sich leise singend dem Männchen. Es kann aber noch ein bis zwei Stunden dauern, bis sich beide Partner akzeptieren. Das Balzverhalten ist ein abgewandeltes Drohverhalten. Vermutlich ist auch ihr Gesang abgewandelt, sodass sich die Geschlechter an diesem Verhalten erkennen.

     

    In der folgenden, ein- bis zweiwöchigen „Verlobungszeit“ nehmen die Partner keine Notiz voneinander, verteidigen aber gemeinsam ihr Revier. Nach dieser Zeit bettelt das Weibchen beim Partner um Futter. Dieses Betteln kann aber auch den Nestbautrieb bei ihr auslösen.

     

    Brutbiologie

    Denn jetzt baut sie allein ein napfförmiges Nest, welches meist am Boden versteckt in einer Mulde steht. Von oben ist es selten einzusehen. Entweder ist es mit Blättern bedeckt oder Grasbüschel tarnen es, so dass es nicht zu beobachten ist. Der Einflug ist dann seitlich, man kann hier also von einem sogenannten Backofennest sprechen.

    Aber es gibt auch andere Neststandorte. So fand ich mal eine Rotkehlchenbrut in einem ausrangierten Holzschuh, der dekorativ im dichten Efeu eines größeren Gartens hing.

    Einen außergewöhnlichen Niststandort suchte sich ein Rotkehlchen in diesem Jahr bei unserem engagierten Buntspechtmitarbeiter Bernd Kleinlützum in Rheurdt. Unter einem Dachvorsprung befestigte Kleinlützum ein kleines Brett, um einer Vogelart eine Niststätte anzubieten. Er war aber sehr überrascht, als sich dort ein Rottkehlchenpaar einquartierte. Immerhin befand sich die Brutnische in einer Höhe von 2,80 m. Damit war diese bemerkenswerte Wohnstätte ungewöhnlich hoch für eine Rotkehlchenfamilie.

     

    Das Gelege, welches vom Weibchen allein bebrütet wird, besteht meist aus fünf bis sieben rahmfarbigen, feinbräunlich gepunkteten Eiern. Die Brutzeit beträgt etwa 14 Tage. Nach weiteren zwei Wochen verlassen die Nestlinge ihre Kinderstube.

    Diese Jungvögel sind oberhalb lehmfarben gefleckt. Brust und Flanken sind dunkelbraun. Es fehlt ihnen also die rote Brust. So dürfen sie sich weiterhin im elterlichen Bezirk aufhalten und werden auch vom Männchen gefüttert. Das Weibchen schreitet häufig derweil zur zweiten Brut. Trotz dieser scheinbar großen Vermehrung kommt es nie zu großen Populationen.

    Beringungen haben ergeben, dass fast 70 % der Jungen das erste Lebensjahr nicht überleben. Diese Verluste gehen meist auf das Konto von Eichelhähern, Katzen, Igeln, Ratten und Mäusen.

    Da viele alte Rotkehlchen in unseren Breiten ihr Revier auch im Winter nicht verlassen und dieses gegen ihre Artgenossen verteidigen, kommen sie oft durch Futtermangel um.

    Nach Aussagen verschiedener Autoren liegt die Sterblichkeit der bei uns überwinternden Rotkehlchen im normalen Winter bei 30 bis 50 %. Bei strengen anhaltenden Frösten etwa bei 80 %, und bei außergewöhnlich harten und eisigen Nächten sogar bei 100 %. So hat auch der Winter 1985/86 mit seinen langanhaltenden harten Frostperioden seinen Zoll von unseren Rotkehlchen gefordert.

    Der 11 Jahre junge und sehr aktive Vogelfreund David Malzbender berichtete mir, dass in diesem Sommer so manches Rotkehlchenrevier im Weseler Raum verwaist war. So hat auch der letzte Winter hier seine Spuren hinterlassen.

     

    Der Speiseplan des Rotkehlchens im Sommer ist überwiegend animalisch, d. h. tierische Nahrung wird bevorzugt. Da diese Speise im Winter knapp wird, stellt es sich auf vegetarische Nahrung um. Fast alle vorkommenden Früchte und Sämereien werden genossen.

    Der große Ornithologe Naumann berichtet sogar, dass die Frucht des für den Menschen giftigen Pfaffenhütchens als „Rotkehlchenbrot“ bevorzugt verspeist wird, ohne ihm zu schaden.

    Auch kommt es gerne ans winterliche Futterhaus und lässt sich dort mit Haferflocken, Insektenfutter, Mehlwürmern und kleinen Sämereien verwöhnen.

     

    Zur Winterfütterung von Vögeln

    Hier möchte ich mal auf das Pro und Contra der Winterfütterung eingehen.

    Vom biologischen Standpunkt aus bleibt der Wert der Winterfütterung umstritten. In mancher Hinsicht wirkt sie sogar schädlich.

    Die Qualität des Erbpotentials wird vermindert, indem kranke und schwache Tiere der natürlichen Auslese trotzen. Ferner bilden sich an den von den Vögeln zahlreich besuchten Futterstellen Krankheitsherde, sodass viele mit Salmonellen infizierte Tiere eingehen.

    So sind auch unsere Meisen sehr gelehrig und fliegen nur noch diese künstlichen Futterstellen an. Es ist ja so bequem von Balkon zu Balkon, von Fenster zu Fenster zu fliegen, um die ölhaltigen Sonnenblumenkerne zu verspeisen. Durch dieses Überangebot verlernen sie ihre natürliche Aufgabe der Insektensuche auf den Bäumen. Bei einer zu langen Fütterung im Frühjahr ist ihre Brut hochgradig gefährdet. Denn Sonnenblumenkerne, sonstige Sämereien, Brotreste – ja auch diese finden unsere Meisen in den Futterhäusern – können die Jungvögel nicht vertragen. Ganze Bruten müssen bei diesem gut gemeinten Futterangebot sterben. Diese Jungvögel benötigen das hochwertige tierische Eiweiß, also Insekten, um zu überleben. Hier möchte ich noch bemerken, dass es zoologische Geschäfte gibt, die ihre Meisenringe zuhauf noch im April anbieten. Auch das kann man als „Vogelmord“ bezeichnen.

    Trotz aller negativen Erscheinungen der Winterfütterung befürworte ich sie doch. Einige wichtige Aspekte hierzu möchte ich aufführen:

    1. Ältere, vielleicht kranke und einsame Menschen sehen es als ihre Aufgabe, Tieren in schweren Zeiten zu helfen. Sie werden dabei von ihrer Krankheit und Einsamkeit abgelenkt und somit positiv beeinflusst.
    2. Welcher naturverbundene Lehrer möchte sich die Chance entgehen lassen, bei den gut zu beobachtenden Futterplätzen seine Kenntnisse über die einzelnen einheimischen Vogelarten seinen Schülern zu vermitteln und die Probleme des Vogelschutzes zu erörtern?
    3. Mancher Naturfreund, der später Wissenschaftler geworden ist, hat seine ersten Vogelbeobachtungen am Futterhaus begonnen. So hat er entdeckt, dass die Sumpfmeise fast immer zwei Kerne zu einer Mahlzeit mitnimmt. Fand er im Futterhaus die leeren Schalen der Sonnenblumenkerne, konnte er fast sicher sein, dass Sperlinge und Grünlinge am Werke waren. Zeigte sich mal der Gimpel (Dompfaff) am Futterhaus, so stellte der Beobachter fest, dass dieser dort sehr dominant war und keine andere Art duldete.
    4. Eine sinnvolle Fütterung bei Schneelagen und harten Frösten hat vielen Vögeln das Leben in diesen schweren Zeiten erleichtert und die Sterblichkeit bei einigen gefährdeten Arten sogar gesenkt.

    So möchte ich unseren Vogelfreunden raten, vorsichtig mit der Winterfütterung zu beginnen. Sie sollen abends eine Handvoll Körner ins Futterhaus streuen, so dass die Vögel nach einer kalten Nacht morgens Nahrung haben und sich an den Futterplatz gewöhnen. So kann man je nach Witterung die Mahlzeiten dosieren und variabel gestalten.

    Sollten sich während des Winters offenes Wetter und erträgliche Temperaturen einstellen, so rate ich, die Fütterung stark zu reduzieren und Anfang März ganz damit aufzuhören.

    Auch sollte man nicht vergessen, ab und zu die Futterstelle mit kochendem Wasser und einem Desinfektionsmittel gründlich zu reinigen. So können sich die so gefürchteten Salmonellen erst gar nicht einnisten.

     

    Liebe Leser, wenn Sie diese wenigen Tipps zur Winterfütterung beachten, können Sie viel Freude bei Ihren Beobachtungen am Futterhaus haben.

    Hier möchte ich besonders auf ein kleines Buch von Otto Frisch hinweisen: „Vögel als Wintergäste“. Alles über artgerechtes Futter und richtige Fütterung. Erschienen im Gräfe und Unzer Verlag München ISBN 3-7742-2026-3.

    Es gehört einfach in die Hand eines jeden Natur- und Vogelfreundes.

     

    Zum Schluss möchte ich noch ein paar Bemerkungen zum Zugverhalten des Rotkehlchens machen.

    Dieses nur als Zugvogel, Teilzieher oder Standvogel einzuordnen, ist nicht möglich. Alle drei Formen kommen vor.

    Für die Vögel aus Nord- und Osteuropa ist die Bezeichnung Zugvogel schon berechtigt. Teilweise gilt das auch für die mitteleuropäischen Vögel. In Süd- und Südwesteuropa sind sie eindeutig Standvögel. Diese Gebiete werden auch von unseren ziehenden Rotkehlchen aufgesucht. Da sie vorwiegend Nachtzieher sind ist anzunehmen, dass sie sich nach dem Magnetfeld der Erde orientieren. Bei klaren Nächten können auch die Sterne ein Wegweiser sein.

    Die Winterflucht der hiesigen Vögel beginnt im September und ist meist Ende Oktober abgeschlossen. Man kann also davon ausgehen, dass alle Rotkehlchen, die sich im November in unseren Breiten aufhalten, auch hier überwintern. Im März des folgenden Jahres kehren die Rotkehlchen, die in ihren südlichen Winterquartieren überlebt haben, in ihre Brutgebiete zurück.

     

    Ein Beitrag von Paul Laakmann in Buntspecht 4/1986


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